Musik zwischen Renaissance und Barock - Gießener Allgemeine - 06.09.2011

Lich (jou). Die »Camerata Vocale« Hessen widmete sich am Sonntag gemeinsam mit der Capella Instrumentalis, verstärkt durch Solisten, einem höchst anspruchsvollen, hörenswerten Werk: Claudio Monteverdis »Marienvesper«. Gleichwohl war die Marienstiftskirche leider nicht voll besetzt.

ti_marienvesper_060911_4c_1Vielleicht schreckte der wenig vertraut erscheinende Stil zwischen Renaissance und Barock manche Besucher ab – zu Unrecht, wie sich zeigte, war die Komposition doch in ihrer klaren Sprache durchaus zugänglich und zeugte von künstlerischer Experimentierfreude und Weitsicht. Vieles ist bei der auf Psalmen Davids, dem Hohelied Salomons, dem Magnificat und freier Motettendichtung basierenden, 1610 veröffentlichten »Marienvesper« ungeklärt. Nicht einmal, in welcher Form sie aufgeführt wurde, ist überliefert, auch die Besetzung lässt den Musikern Freiräume. Das vorzügliche historische Instrumentarium – neben Streichern, Orgel/Cembalo und Theorbe je drei Zinken und Posaunen – fügte sich ein in ein behutsames, stilgetreues interpretatorisches Gesamtkonzept. Sehr transparent sang der Chor den Psalm 112 »Laudate pueri«; Textwiederholungen unterstrichen die Aussage. Die Kontraste in Bewegungscharakter und Dynamik arbeitete das Ensemble unter der sorgfältigen Leitung von Kantor Christof Becker lebendig heraus. Auch die Solisten – Simone Schwark und Agnes Kovacs (beide Sopran), Ralf Petrausch und Christian Dietz (beide Tenor) sowie Daniel Starke (Bariton) – gefielen insgesamt durch kristallene, harmonisch aufeinander abgestimmte Gesangsweise und erzeugten dank großer Flexibilität einen selbst bei dichtesten Melismen natürlich wirkenden melodischen Fluss.

 


Gießener Allgemeine - 06.09.2011