Konzert der Kleinen Jugendkantorei in Lich - 23.11.2010 - Giessener Allgemeine

Während grau sich dieser Novembertag seinem Ende neigt, erhellt Kerzenschimmer den Chorraum der Marienstiftskirche. Acht Stimmen und eine Orgel klingen an diesem Ewigkeitssonntag gegen die Kälte des Tages an - erwärmen die Herzen der zahlreich erschienenen Besucher. Tod und Ewigkeit sind die Themen des Konzerts der Kleinen Jugendkantorei der Marienstiftsgemeinde Lich.

Beckers Spiel ist zart und leise, getragen von den nach innen gekehrten Melodien. Sein Verdienst ist es, die aufgrund des Lebensalters so unterschiedlich entwickelten Stimmen der 14 bis 20 Jahre jungen Frauen zu einem Klangkörper zusammenzuführen. Mit »Pie Jesu Domine« (»Gib ihnen Ruhe, ewige Ruhe«) breitet sich Stille im Kirchenschiff aus, bevor langsam, gleichsam zurückgekehrt aus höheren Sphären, Applaus den Künstlern Respekt zollt.

Erst kürzlich war die Jugendkantorei der Marienstiftskirche Lich, sehr erfolgreich auf Konzertreise in Weimar und Erfurt, in der Predigerkirche und im Augustinerkloster. Am Sonntag nun, dem letzten des Kirchenjahres, bot Kantor Christof Becker mit verschiedenen Werken des Barock und der Romantik Raum für Besinnung und innere Einkehr. Die nur acht jungen Stimmen, in berührendem Kontrast zur Schwere der fundamentalen Lebensfragen, bringen eindrucksvoll Werke von Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Gabriel Faure und anderen zu Gehör. An Orgel und Continuo lässt Becker selbst Bach und Rheinberger erklingen. Glockenhell und klar sind die Stimmen, voll Trauer und Melancholie die anspruchsvollen Werke, die das Kirchenschiff ausfüllen. »Selig sind die, die da Leiden tragen« - die beladenen Seelen finden Trost in Johannes Brahms Werk, das Becker in einer für Orgel bearbeiteten Version anstimmt. Sie stammt aus dem Deutschen Requiem, zart und mit großer Sanftheit ergreift sie den Raum. In Johann Georg Herzogs »Es sollen wohl Berge weichen« finden Stimmen und Orgel zu einem berührenden Klangraum zusammen. Einfühlsam werden die jungen hellen Frauenstimmen vom Klang der Orgel geleitet und im besten Sinne begleitet. Im Wechsel von Orgel und Chor kommen die unterschiedlichen Werke zu Gehör, die die Sängerinnen mal vom Chorraum aus, mal von der Empore, engagiert vortragen.