Mutigen Schritt mit reichlich Beifall belohnt - Gießener Anzeiger vom 12.12.2012

Weihnachtsoratorium für Kinder in Licher Marienstiftskirche aufgeführt

 

(kjg). „Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage“ begann der Jubel im Weihnachtsoratorium für Kinder in der festlich geschmückten Marienstiftskirche in Lich. Unter der Leitung von Kantor Christof Becker sangen und musizierten die Kammerphilharmonie Bad Nauheim, die Licher Kantorei sowie die Sopranistin Helena Günther, Altistin Antje Gnida, Tenor Thilo Busch und Bassist Florian Plock.

Plötzlich trat ein Mann auf die Bühne. Mit Hut, Mantel und festen Schuhen sah er aus wie ein Hirte. „Es ist etwas passiert. Es ist etwas passiert. Etwas ganz Großes“, rief er, während er auf die Kinder im Publikum zuging. „Vor über 300 Jahren hat Johann Sebastian Bach in seinem Weihnachtsoratorium aufgeschrieben, was 1700 Jahre vorher in Bethlehem passiert war. Der Leipziger Thomanerchor hat das Weihnachtsoratorium 1734 uraufgeführt. Und heute werden wir es hier in der Marienstiftskirche erleben“, erklärte der Hirte den Zuschauern.

Er war in der Folgezeit ständig unterwegs. Mal sprach er mit den Kindern im Publikum, mal war er beim Orchester. Dann redete er mit Becker. Dazwischen erklangen leise Töne, gespielt auf der Querflöte, der Klarinette und dem Fagott. Gesucht wurde das Musikinstrument, das geeignet war, um die frohe Botschaft zu verkünden, in die Welt hinaus zu tragen. Die Musik, das Geheimnisvolle, und was Bach daraus gemacht hatte, all dies erklärte der Hirte den jungen Zuhörern.

Es war ein Dialog, bei dem die Kinder schnell Vertrauen gefasst hatten, und mit dem Hirten über so komplizierte Dinge wie die Musikinstrumente und die Partitur (Zusammenstellung der Stimmen) sprachen.

Der Hirte war Harald Pfeiffer, als Schauspieler des Stadttheaters Gießen für anspruchsvolle Rollen bekannt. In seiner charmanten Art begeisterte er die Kinder, die voll mitgingen. Pfeiffer schlug eine Brücke zwischen Publikum und Ensemble. Am Ende trampelten und klatschten die Kinder vor Begeisterung.

Erstmals beim Weihnachtsoratorium in Lich sangen im Chor etwa 20 Kinder zwischen neun und 14 Jahren mit, die bereits seit einiger Zeit im Licher Mädchen- oder Knabenchor singen. Er wolle die Kinder an die Musik führen, sagte Becker. Dieser Schritt sei zwar mutig gewesen, doch erfreulicherweise gab es keine Patzer. Es sei gelungen, die Kinder in die Aufführung miteinzubeziehen.