Faszinierte Zuhörer - Gießener Anzeiger vom 29.11.2013

Marschmusik, Trommeln und dann ertönten auch noch Pfeifen. Es steigerte sich immer mehr und mündete schließlich in einem Aufschrei. Dramatisch, beängstigend – diese Adjektive schossen den Zuhörern durch den Kopf, als sie das erste Lied aus Karl Jenkins „The Armed Man – A Mass for Peace“ hörten. Es ist ein französisches Lied aus dem Mittelalter, das die Ängste der Menschen vor dem Krieg und den Bewaffneten zum Thema hat und gleichzeitig „zu den Waffen“ ruft. Die Marienstiftskantorei und das Ensemble „Concertare nuovo“ gaben in der Licher Marienstiftskirche ein bewegendes Konzert, das Krieg und Frieden thematisierte und sich dabei auf Werke vom Mittelalter bis in unsere heutige Zeit stützte. Den Solopart bestritt die Butzbacher Sopranistin Alexandra Steinhauer. Den „Aufruf zum Gebet“ rezitierte Hamid Jalala von der Islamischen Gemeinde Gießen.
Motetten aus der Geistlichen Chormusik 1648 (komponiert zum Westfälischen Frieden, dem Ende des Dreißigjährigen Krieges) von Heinrich Schütz standen mit ihrem Wunsch nach Frieden und Versöhnung am Beginn des Konzertes. Nach „Herr, auf dich traue ich“ aus Psalm 31 erklang „The Armed Man“. Weiter ging es mit „Kyrie eleison“, dem Hilferuf „Save me from Bloody Men“ und einem Lobgesang vor der Schlacht. Dann: Stille – und die Hiroshima-Glocke mit dem Lied „Angry Flames“ von Toge Sankichi, einem Augenzeugen des Bombenabwurfs auf Hiroshima, das die Katastrophe miterleben lässt. Das Konzert endete mit einer Hymne an den Frieden.
In Bann gezogen
Die Besucher erlebten eine Aufführung, die die Zuhörer in ihren Bann zog, und bei der die musikalischen Stilelemente miterlebbar waren. Angst, Not, Leid, Hoffnung und Trauer waren in einer ausdrucksstarken Musik gefühlvoll umgesetzt. Am Ende wurden die Interpreten mit einem begeisternden Beifall belohnt.