Klang-Farben-Worte am 16.6.2011

Stadtschreiber Melchior nahm die Licher mit auf eine wunderbare Reise


"Klang - Farben - Worte" tauchten am Freitag die Marienstiftskirche in ein fremdes Licht. Der Stadtschreiber Johannes Melchior nahm seine Gäste mit auf eine Reise durch die Geschichte der Kirche, Lichs und Deutschlands. Dabei veränderte sich zu den Stimmungen passend die Beleuchtung im Innen- und Altarraum, änderte sich von hellweiß bis blutrot. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von der Marienstiftskantorei und Kantor Christof Becker.

Johannes Melchior ist kein Zeitgenosse aus Lich und arbeitet auch nicht, wie es der Name vermuten lässt, in der Licher Brauerei. Im 17. Jahrhundert war er Buchdrucker in Lich gewesen und bekam damals vom Grafen das ehrenwerte Amt des Stadtschreibers übertragen. Zum Jubiläum der Marienstiftekirche reiste er nun durch die Zeit und berichtete aus seiner Chronik von den Anfängen des Baus bis zum Jahr 2011.


Denn der Bau damals zog sich von der Grundsteinlegung 1511 bis ins Jahr 1594 und überlebte damit sechs Bürgermeister, fünf Stiftsdechanten und vier Grafen. Nur wenige Jahrzehnte später verwüstete der dreißigjährige Krieg das Land. Schwedische Truppen fielen in Kloster Arnsburg ein. Diverse Kunstgegenstände wurde deshalb in die Marienstiftskirche in Sicherheit gebracht - und dort später bei einer Orgelrenovierung auch verbaut. Bevor endlich wieder Frieden im Land herrschte, sorgte die Pest noch unter den Licher Bürgern für Verluste.
Das 18. Jahrhundert war dafür in Lich eine ruhige Zeit. Die Geschlechterlinie Solms-Lich endete und wurde von der Linie Hohensolms übernommen und weitergeführt. Im 19. Jahrhundert sorgte dann die deutsche Revolution auch für Unruhe in Lich. Als der Licher Bürger Heinrich Ludwig zu einer Volksversammlung nach Frankfurt fuhr, verfiel er dort in einen todesähnlichen Starrkrampf. Hätte er sich nicht kurz vor seiner Beerdigung noch einmal bemerkbar machen können, wäre er lebendig begraben worden. Im Jahre 1859 wurde die Kanzel aus dem zerstörten Kloster Arnsburg in die Marienstiftskirche eingebaut.
Während die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Krieg, Armut, Leid und Schrecken bedeutete, ging es danach mit Lich immer vorwärts. Die Einwohnerzahlen stiegen, das Kreiskrankenhaus und die Dietrich-Bonhoeffer-Schule sowie die Umgehungsstraße wurden gebaut. Krönung war der Hessentag 1993, der die wunderbare Altstadt in ganz Hessen bekannt mache. Und nun im Jahr 2011 feierte die Marienstiftskirche ihr 500. Jahr seit Grundsteinlegung. Stimmungsvoll wurde die Lesung mit wechselnder Beleuchtung des Kircheninnenraums untermalt, die je nach Thema von hellweiß bis blutrot wechselte. Zwischen Altar und Kanzel hatte der Stadtschreiber, der Horst Kächler zum Verwechseln ähnlich sah, seinen Tisch und las den rund 200 Besuchern aus seiner Chronik vor. Ab und zu meldete sich auch die Orgel zu Wort und der Chor sorgte mit Stücken aus den jeweiligen Jahrhunderten für musikalische Pausen. Organisiert war der Abend von Hannelore Rischmann. Für die Lichtkunst und Beleuchtung sorgten Norbert Mohr und Klaus Heller. Teilweise wurden auch Bilder an die Kirchendecke projiziert, wofür Katja Rischmann und Oliver Andersen sorgten. Insgesamt war es ein eindrucksvoller Abend in der Marienstiftskirche.

 

Licher Wochenblatt - 16.06.2011

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