Fast sphärischer Raumklang - Gießener Anzeiger - 15.02.2011

Fast sphärischer Raumklang - Gießener Anzeiger - 15.02.2011

Sonaten für Viola und Klavier mit Christof Becker und Katrin Anja Krauße

(elo). Kammermusik für Viola und Klavier erfüllte am frühen Sonntagabend den Gemeindesaal der evangelischen Marienstiftsgemeinde. Kantor Christof Becker (Viola) und Katrin Anja Krauße (Klavier) brachten Werke von Bach, Dittersdorf, Hindemith und Schubert zu Gehör und trafen damit augenscheinlich den Geschmack des Publikums.

 

Unter dem aufgestellten Bildnis des jeweiligen Komponisten widmeten sich die Musiker zunächst einer der drei Gambensonaten Johann Sebastian Bachs. Die zu Bachs bekanntesten Kammermusikwerken zählenden Sonaten für Viola da gamba und Cembalo waren ursprünglich wohl nicht für Gambe geschrieben. In Beckers und Kraußes Spiel stand der warme, raumerfüllende Ton der Viola da gamba in ergreifendem Kontrast zu den feinen Klängen des Cembalos. Die kontrapunktischen Strukturen des Werks blieben nicht nur während der ohnehin fugenähnlich angelegten Sätze stets transparent und klar erkennbar.

Vom Barock zur Wiener Klassik und damit zu einer Sonate gänzlich anderen Charakters bewegte sich das Programm anschließend mit Carl Ditters von Dittersdorf und seinem fünfsätzigen Werk. Diese Sonate entfaltet wunderbare harmonische wie melodische Qualitäten. Die sich überlagernden Klänge von Viola und Klavier erzeugten zuweilen einen fast sphärischen Raumklang. Die typische schreitende Vorwärtsbewegung des Menuetts wirkte keineswegs schwer, sondern wechselte mit anmutigen und spielerisch verzierten Passagen. Mit seiner Sonate erhebt Dittersdorf die Viola als solistisches Kammermusikinstrument auf einen Sockel. Die exponierte Stellung, die dem Instrument einst zukam, wurde im Verlauf des Konzerts überdeutlich.

Nach einem Umtrunk in der kurzen Pause wurden die Konzertbesucher mit Orgelklängen zum zweiten Teil gebeten. Auch im kompositorischen Schaffen Paul Hindemiths nahm die Viola eine besondere Stellung ein. In der „Meditation“ für Viola und Klavier wurde die erwartete Wirkung dem Zuhörer allerdings zunächst vorenthalten.

Mit der „Arpeggione“-Sonate von Franz Schubert warteten die Musiker zum krönenden Abschluss noch einmal mit einer außergewöhnlichen Komposition auf. Mit der großen Sonate in a-Moll überzeugten Becker und Krauße durch beeindruckende Spielweise. Nach moderatem Klavierbeginn gewann das Stück mit dem Einsatz der Viola, die sich im weiteren Verlauf in höchste Höhen schraubte, zunehmend an Dramatik. Nicht ohne Grund wird die Komposition heute zu den größten Kammermusikwerken gerechnet.

Dementsprechend kam das gesamte Konzert auch gänzlich ohne Moderation aus. Alle Werke sprachen für sich. Die Besucher dankten mit anhaltendem Applaus und erklatschten sich eine Zugabe.