»Ein wunderbarer Beginn unseres Kirchenjahres«, sagte Dekanin Barbara Alt, nachdem ein außergewöhnliches Konzert in der Marienstiftskirche vorbei und der langanhaltende Beifall verklungen war.

2012 feiert die Evangelische Kirche Hessen und Nassau das Jahr der Kirchenmusik unter dem Motto »Kirche macht Musik, Musik macht Kirche« – am Sonntagnachmittag wurde dieses Motto glänzend umgesetzt, ehe die Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg die Zuhörer zum Jahresempfang ins Gemeindehaus einluden.

Im Mittelpunkt des Konzertprogramms stand Martin Luthers Adventslied »Nun komm, der Heiden Heiland«, das auf den altkirchlichen Hymnus »Veni redemptor gentium« des Ambrosius von Mailand (339 bis 397 nach Christus) zurückgeht. Anhand ausgewählter Vertonungen und Choralbearbeitungen ist es den Kirchenmusikern der jeweiligen Dekanate – Christof Becker, Alexander Lang, Anja Martiné, Beatrix Pauli, Ulrike Sgodda-Theiß und Daniela Werner – gelungen, die stilistische Bandbreite der Kirchenmusik abzubilden. Am Konzert beteiligt waren Mitglieder der Bad Nauheimer Kammerphilharmonie sowie die Gesangssolisten Nicole Tamburro (Sporan), Michaela Wehrum (Alt) und Frank Rompf (Tenor).

 

Einem einleitenden Wechselgesang des Projektchores, der sich aus Mitgliedern verschiedener Chöre innerhalb der drei Dekanate zusammensetzte, folgte eine Orgelimprovisation des Licher Kantors Christof Becker, die auf Luthers Adventslied einstimmte, das alsdann zunächst von der Gemeinde gesungen wurde. In der zweiten Strophe setzten die Bläser ein, temperamentvolle Orgelkaskaden steigerten das Gefühl feierlicher Ergriffenheit. Anschließend wurde das Adventslied ordentlich durchgeformt, erklang gregorianisch, barock, als Blues und Jazz. Bei der Gospelvariante handelte es sich sogar um eine Welturaufführung: Der Bremer Jazz- und Kirchenmusiker Micha Keding hatte sie eigens für dieses Auftakt-Konzert komponiert. Ergänzt wurde das Programm von Stücken für Bläser und Orgel. Hervorzuheben ist Daniela Werners Interpretation der Choralpartita für Orgel von Michael Penkuhn – ein virtuoses Frohlocken unter jazzigen Vorzeichen, bei dem die Grünberger Kantorin keine Orgelpfeife ausließ.

Höhepunkt: Zuhörer und Chor im Einklang

Ein Höhepunkt war sicherlich auch das Singen der Gemeinde unter dem Dirigat der aus Lich stammenden Landeskirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum. Sie gruppierte die Zuhörer in die hohen und tiefen Männer- und Frauenstimmen. Während die Männer schließlich jeden Ton des Liedes vier Schläge lang aushielten, sangen es die Frauen im Kanon: das Ergebnis war eine mittelalterlich anmutende Polyphonie. Beschlossen wurde das Konzert mit der Ouvertüre und dem ersten Satz aus dem Gospel-Oratorium »Prince of Peace« von Ralf Grössler.

Zum anschließenden Jahresempfang begrüßte Annette Vogel, Präses der Dekanatssynode Kirchberg und Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg. Den Musikern dankte sie für das besondere Erlebnis. »Einen schöneren Einstieg in das vor uns liegende Jahr der Kirchenmusik kann ich mir kaum vorstellen.« Auch in Zukunft gelte es, vorhandene Talente und Ressourcen zu bündeln. Im kommenden Jahr, so Vogel, werden die Kirchenmusiker, die jüngst eine gemeinsame Orgel-CD herausgegeben hatten, über die Dekanate hinaus mit ihren Kollegen der nördlichen Propstei Oberhessen zusammenwirken, nachdem sie ein Programm für die bekannten Monatslieder ausgearbeitet haben. In ihrem Rückblick auf das Kirchenjahr 2011, das in der Arbeitsgemeinschaft der drei Dekanate unter dem Motto »Leben(S)formen« gestanden hatte, erinnerte sie unter anderem an das Tauffest in Kloster Arnsburg und den Konfi-Tag im Dekanat Kirchberg, auf dem die Frage »Wie möchte ich leben?« diskutiert worden war. Bezüglich der Veranstaltungen in 2012 verwies sie auf die Internetseite www.giessenerland-evangelisch.de . Ein Grußwort sprach die Generalmusikdirektorin der EKHN, Christa Kirschbaum.